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Die Schullandheimarbeit hat eine lange Tradition. Über fünfzig Jahre schon engagieren sich Menschen in ihrer Freizeit für das Schullandheim in Wulsbüttel. Ja, es wurde sogar größtenteils ehrenamtlich erbaut! Auch heute noch nutzen wir die Wintersaison, um mit ehrenamtlichen Arbeitseinsätzen die Dreptefarm zu renovieren und weiterzuentwickeln, angetrieben vom Leitspruch Erich Kästners aus der Konferenz der Tiere: "Es geht um die Kinder!"
Nachfolgend
die Geschichte unseres Heimes in Wort und Bild. Chronist ist der
ehemalige Vorsitzende Bernd Leder (Vorsitz 1992 - 2000), für die Zeit ab
2002 sein Nachfolger Sönke Hofmann
Am 10. März 1955 schlossen sich Lehrer und Eltern der Schulen Farge,
Lüßum, Rekum, Rönnebeck und an der Lüder-Clüver-Straße zusammen und
gründeten den "Schullandheimverein Blumenthal e. V.". Als gemeinsames
Ziel nahmen sie sich vor, für ihre Schulkinder in Wulsbüttel ein
Schullandheim zu bauen.
Zum ersten Vorsitzenden des Vereins wählten sie den damaligen Leiter der
Schule an der Lüder-Clüver-Straße, Herrn Werner Schwern.
I n
einer Werbeschrift für den Verein schreibt Werner Schwern von seinem
"empfundenen Erziehungsauftrag, Wissens- und Fertigkeitsvermittlung mit
der Charakter- und Menschheitsbildung zu verbinden. So schreibt er,
"dass jedes 4. Kind ohne Vater oder Mutter aufwächst, dass sich in der
Urzelle - der natürlichsten aller Erziehungsgemeinschaften - Änderungen
ergeben haben, die sich äußerst nachteilig auf die Kinder ausgewirkt
haben, so dass Lehrer Funktionen des Elternhauses zu übernehmen haben.
Dazu müssen jene Situationen und Verhältnisse geschaffen werden, in
denen die Einflussnahme in der häuslichen Erziehungsgemeinschaft
erfolgt. Das wäre der Fall im mehrwöchigen ganztägigen Beieinander von
Kindern einer Klasse mit ihrem Lehrer in einem Schullandheim". Im
Auftrag seiner Zeit will er ein Haus erbauen, "in dem sich Kinder in
jenen Tugenden üben sollen, die die Voraussetzung einer wahrhaft
demokratischen Gemeinschaft bilden: Toleranz und Menschlichkeit".
Schon
vor 1955 hatte sich Werner Schwern mit drei weiteren Kollegen auf die
Suche nach einem geeigneten Standort für ein Schullandheim gemacht. Ihre
Entscheidung war auf ein Grundstück in Wulsbüttel gefallen, inmitten
einer besonders reizvollen, noch unberührten Heidelandschaft. Am 9. 6.
1955 kam es dann zum Kauf des 10628m² großen Grundstücks von Lüder
Brüggemann. Im Juni 1956 fuhren die ersten freiwilligen Helfer zum
Arbeitseinsatz nach Wulsbüttel, dem in der Folgezeit viele weitere
Einsätze folgten.
So konnte Werner Schwern in einer weiteren Werbeschrift aus Anlass des
zweiten Bauabschnitts 1967 vermerken: "Der Umfang der eigenen Arbeit,
die Ausdruck der großen Verantwortung gegenüber den Kindern heute und
morgen ist und einen Beweis für die große Hilfs- und Opferbereitschaft
und den Idealismus all derer darstellt, die in selbstloser Weise
Wochenende um Wochenende, Freizeit, Urlaubs- und Ferientage opferten und
die Mühen des Weges und der oft ungewohnten Arbeit willig auf sich
nahmen oder ihre Hilfe anderweitig unentgeltlich zur Verfügung stellten,
stellt sich in diesen Zahlen dar: Die in vielen freiwilligen Arbeits-
und Fahreinsätzen geleisteten Arbeitsstunden betrugen mehr als 10.000.
An ihnen waren nahezu 500 Väter, Mütter, Freunde, Schüler, Lehrer,
einheimische Industrieunternehmen und ortsansässige gewerbliche Betriebe
des Handels und des Handwerks beteiligt. (Dazu gehörten ca. 40 000
Steine aus dem Abriss der Farger Schule, der Norddeutsche Lloyd spendete
Stockwerkbetten von der "Pasteur", die auf dem Vulkan zur zweiten
"Bremen" umgebaut wurde - und diese Betten werden auch heute noch
genutzt.)
Durch
ihren Einsatz und das Zusammenwirken aller in einer einzigartigen
Gemeinschaftsleistung war es möglich, das Grundstück zu erwerben und
darauf ein Haus im Gesamtwert von 360 000 DM zu erstellen. Dabei
entspricht die Eigenleistung einem Wert von 205 000 DM."
Die ersten Arbeiten am Haus wurden 1958 aufgenommen, das Richtfest
konnte in großem Rahmen unter Beteiligung der angeschlossenen Schulen
mit fast all ihren Kindern und Lehrern am 20. 6. 1959 gefeiert werden,
und am 12. 5. 1960 fuhr die Klasse 4 b aus der Schule
Lüder-Clüver-Straße mit ihrem Lehrer Leo Skiba und zwei Begleitmüttern
als erste Belegung in das Schullandheim. Am 25. 6. 1960 erfolgte mit
einem großen Fest die feierliche Einweihung des Schullandheimes.
Situation im Heim während der Nutzung des 1. Bauabschnitts
Es gab den heutigen Altbautrakt oder "Trakt 2" inklusive des
Jungenwaschraums; der wurde abwechselnd von den Mädchen und dann von den
Jungen genutzt. Weiter gab es die heutige Jungentoilette und eine
Mädchentoilette, die befand sich dort, wo sich heute der Flur zum
Duschraum befindet. Es gab die Eingangshalle und den Flur, der von der
Halle zu den heutigen Tagesräumen führt. Von diesem Flur waren drei
Räume zu betreten: der erste Raum - heute Lagerraum - diente dem
Heimwartehepaar als Schlafraum, der zweite - heute Personal-WC - war der
Niedergang zum Kellerraum -
heute Werkstatt - und der dritte - heute Spülküche - war die Küche für
alle zu verrichtende Arbeiten. Im Keller befand sich die erste
Heizungsanlage, die gebraucht aus dem "Hartmannstift" zur Verfügung
gestellt worden war.
Die erste Heimwartin war Frau Diener. Sie wohnte mit ihrem Mann und den
beiden Töchtern mitten im Heim, der ersten Raum des Schlaftraktes war
ihr Wohnzimmer, den zweiten Raum nutzten die Töchter als Schlafraum.
Damit war die Heimwartfamilie - besonders die beiden Töchter - über
viele Jahre dem sich in jeder Belegungswoche wiederholenden Betrieb der
sich in ein Schullandheim einlebenden Kinderschar unmittelbar
ausgesetzt.
Das Heim wurde genutzt von Schulklassen mit zum Teil über 40 Schülern.
Da für eine so große Zahl die Eingangshalle als Tagesraum nicht
ausreichen konnte, war nicht nur diese sondern auch der lange Flur im
Schlaftrakt mit Stühlen und Tischen ausgestattet, die übrigens von einer
ortsansässigen Firma zum Selbstkostenpreis aus alten Schultischen
umgebaut worden waren.
Weitere Baumaßnahmen
Diese extreme Enge dauerte bis 1967, denn nach dem Richtfest am 12. 4.
1966 wurde mit einem großen Fest - wieder waren viele Busse aus
Blumenthal, Lüßum, Rönnebeck, Farge und Rekum angerollt - am 25. 5. 1967
der zweite Bauabschnitt eingeweiht: Am Ende des Schlafraumtraktes kamen
Wasch- und Toilettenraum für die Mädchen und ein Duschraum dazu, es
wurde ein ausreichend großer Tagesraum gebaut, der im Souterrain einen
Eingangsraum mit Garderobe und Schuhschleuse, einen Gruppenraum und die
neue Heizungsanlage aufwies, und es wurde die heutige Heimküche und
Heimwartwohnung gebaut - die 1977 auf den heutigen Stand dann noch
vergrößert wurde.
Nach
dieser finanziellen aber auch ideellen Kraftanstrengung musste der
Verein erst eine Atempause einlegen. Das Heim wurde regelmäßig von je
einer Schulklasse oder auch einer Kindergruppe belegt, im Heim war jetzt
ausreichend Platz für die Kinder und auch Begleiter, und besonders die
Heimwartfamilie hatte endlich eine menschenwürdige Unterbringung. Das
Ziel aber war ein Schullandheim für die Unterbringung von zwei Klassen;
und so unternahm der Vorstand alles, um weitere Spenden einzutreiben, um
für Zuschüsse zu werben und Helfer zusammenzubringen.
Am 2. 6. 1973 war es dann so weit, in einer großen Feier - wieder unter
Beteiligung von vielen hundert Schulkindern - konnte der Endausbau zur
Nutzung übergeben werden; ein vollständiger
Neubautrakt - der heutige Takt 1

mit einem großzügigen Sanitärbereich und der zweite Tagesraum mit den
Räumlichkeiten im Souterrain waren dazugekommen. Insgesamt 72 Betten
standen für zwei Klassen mit ihren Begleitern zur Verfügung, und viele
Schulen nutzten die Gelegenheit, parallelen, befreundeten oder
kooperierenden Klassenverbänden gleichzeitig einen Aufenthalt im Heim
anzubieten. Wegen der verdoppelten Kapazität konnten aber auch
Heimtermine an andere Bremer Schulen und sogar an Schulen aus dem
niedersächsischen Umland angeboten werden.
Wegen seiner fantastischen Lage in der norddeutschen Geestlandschaft,
mit dem ca. 130ha großen Königsmoor in unmittelbarer Nähe und der in
einer längeren Fußwanderung erreichbaren Uthleder Marsch ließen sich
hier anschaulich und spielerisch wichtige Themen des im Lehrplan der
Grundschule vorgesehenen Sachunterrichts aufarbeiten.
Das Heim in seiner heutigen Bausubstanz
Das Heim war bald gut ausgelastet, denn seine Vorzüge hatten sich in
Bremen und "umzu" herumgesprochen, Lehrer aus verschiedenen Schulen
galten bald als Stammkunden, aber auch viele Vereine, Jugend- und
Freizeitgruppen kamen immer wieder zu Aufenthalten ins Heim. In den
begehrten Frühlings-, Sommer- und Herbstterminen dauerte der Aufenthalt
einer Schulklasse normalerweise 7 Tage; das heißt, üblicherweise reiste
eine Klasse donnerstags vormittags an und blieb bis zum nächsten
Donnerstag. Zwischen Abreise einer Klasse und der Ankunft der nächsten
lagen etwa 2 Stunden, in denen die Heimeltern mit dem Hilfspersonal
Gelegenheit hatten, das Haus zu reinigen. Die Klasse, die donnerstags
nach Hause fuhr, hatte üblicherweise durch Beschluss der jeweiligen
Schulkonferenzen am Freitag unterrichtsfrei; Kinder, aber auch der
begleitende Lehrer hatten Gelegenheit, sich von den Anstrengungen des
Schullandheimaufenthaltes zu erholen. Am Montag wurde dann regeneriert
und bestens motiviert der Unterricht wieder begonnen. Für Vereine und
Jugendgruppen stand das Heim besonders in den Ferien und an Feiertagen
zur Verfügung.
Für die Heimwartin, bzw. die Heimeltern bedeutete das natürlich eine
besondere Belastung. Statt einer geregelten Arbeitszeit hatten sie es
mit einer 7-Tage-Woche zu tun. Besonders in der begehrten Jahreszeit gab
es nur selten einen freien Tag. Diese erhebliche Mehrarbeit wurde in
den Wintermonaten ausgeglichen, wenn keine Belegung im Heim war, und die
Aufgabe der Heimeltern darin bestand, das Heim zu renovieren.
Etwa in der Mitte der achtziger Jahre setzte dann aber eine Veränderung
der Belegungswünsche der Lehrer ein. Viele Lehrer waren nicht mehr
bereit, ihr Wochenende mit ihrer Klasse im Schullandheim zu verbringen.
Einige Lehrer brachten damit ihren Unmut zum Ausdruck über zunehmende
Pression der vorgesetzten Dienststellen, andere beklagten sich über die
ständig wachsende Zahl von nicht erzogenen Kindern, wieder andere
räumten ein, dass sie sich wegen der ständig zunehmenden beruflichen
Belastung diese unbezahlte Mehrarbeit im Schullandheim nicht mehr
zutraue. Das führte dann dazu, dass die Schulklassen montags anreisten
und freitags schon wieder abreisten. Statt wie vorher 7 volle
Belegungstage zu haben , waren es jetzt nur noch vier. Da es für die
jetzt freien Wochenenden nicht annähernd genügend Belegungen durch
Vereine oder Jugendgruppen gab, fehlten damit erhebliche Einnahmen, und
der Vorstand hatte große Sorgen, das Haus zu halten und stets zu
sanieren.
Dennoch gelang es in den neunziger Jahren die Attraktivität des Hauses
der veränderten Zeit anzupassen und damit zu erhöhen. Im Tagesraum kamen
neue Vorhänge vor die Fenster, und es wurde eine moderne Belichtung
installiert. In jedem Trakt wurde ein größeres Zimmer als Doppelzimmer
für Lehrer oder Begleiter mit Bad und WC eingerichtet und modern
möbliert. Die Heimküche erhielt einen neuen Spülautomat, eine neue
Kippbratpfanne und einen komfortablen Kombidämpfer. Um die Sicherheit zu
erhöhen wurde eine neue Schließanlage eingebaut und das Haus rundherum
mit einer Beleuchtung versehen, die über Bewegungsmelder geschaltet
wurde.
Anfang 2000 stand jedoch der Verein vor dem Problem, einen neuen
Vorstand zu finden. Der hochengagierte Vorsitzende Bernd Leder wollte im
Sommer in Pension gehen, auch der Restvorstand war nach vielen Jahren
ehrenamtlichen Engagements amtsmüde. Ohne geschäftsfähigen Vorstand
stand die Auflösung des Vereins und Schließung des Heimes im Raum. Am
31.12.2000, im 40. Jubiläumsjahr, sollte das Schullandheim Wulsbüttel
geschlossen werden.
Durch Zufall erfuhr dies der Geschäftsführer des Naturschutzbundes NABU,
Sönke Hofmann, der einen Gutteil seiner Kindheit im nahen
Wochenendgebiet verbracht hatte. Ihm und einigen Mitstreitern war sofort
klar, dass dies mit allen Mitteln verhindert werden musste. Gegen
manche Bedenken und Widerstände im NABU wurden am 5.6.2000 Sönke
Hofmann, Gottfried Teckemeier und Kirsten Hüneke in den Vorstand
gewählt, Bernd Leder blieb als Beisitzer und Garant für einen
reibungslosen Übergang.
Nach einigen Renovierungen startete die erste Ferienfreizeit des NABU,
auch erste Umweltbildungsangebote für Schulen gab es. Für das Jahr 2001
war das Heim aufgrund des Interesses am neuen Schwung und dem besonderen
Profil durch die ideelle Trägerschaft des NABU nahezu ausgebucht. Auch
die Ferienfreizeiten erreichten die Kapazitätsgrenze.
Dann geschah in der Nacht zum 5. September 2001 der fürchterliche Mord
an Dennis Klein im Heim, seine Leiche fand man zwei Wochen später gut 40
km entfernt. Der Mord konnte erst fast 10 Jahre später, im April 2011,
aufgeklärt werden. Ein dem Heim unbekannter Mann hatte sich die Bremer
Schullandheime als Tatort für seine perversen Neigungen ausgesucht. Der
Vorstand nahm diese grausame Tat zum Anlass, umfangreiche
Sicherheitsmaßnahmen zu installieren. Für ca. 60 000 DM wurden noch im
Herbst 2001 die Sicherheit erhöhende Maßnahmen ausgeführt:
- dauerhaftes Verschließen der 11 Kinder-Schlafzimmerfenster und Einbau einer geregelten Be- und Entlüftungsanlage
- Austausch von 9 Fenstern gegen Verbund-Sicherheitsglas
- Nachrüstung von Fenstergittern bei restlichen 14 Fenstern
- Nachrüstung der Sicherungen bei den Lehrerzimmerfenstern
- Umrüstung von zwei Feuerschutztüren mit einbruchssicheren Panikriegeln
- Austausch der Notausgänge in den Schlaftrakten durch den Einbau von
dreifach verriegelten Holztüren ohne äußere Schlösser oder
Drückergarnituren
- lokale Alarmgeber für alle Ausgangstüren in den Schlafgängen
- zertifizierte Schließanlage für über 35 Schlösser
- vierfache Videoüberwachung der Gänge mit 24-Std.-Aufnahme
- Rauchmelder in allen Schlafzimmern und den Gängen
- Bewegungsmelder mit Schockbeleuchtung
Alle angeführten Maßnahmen konnten nur bei erheblicher ehrenamtlicher
Eigenleistung zu dem Gesamtpreis von 60 000 DM ausgeführt werden.
Aus eigenen Mitteln wurde zusätzlich der Aufbau von Gänsegehegen als
"biologische Alarmanlage" durchgeführt.
Ein neuer Anfang: Schullandheim Dreptefarm e. V.
Durch den NABU erhielt das Heim seine spezielle Ausprägung: In den
Ferien werden seitdem NABU-Freizeiten durchgeführt, für Klassen werden
Natur-Erlebnis-Seminare angeboten, im Heim stehen Ferngläser,
Fledermaus-Detektoren, Kescher und Lupen für Beobachtungen in der Natur
bereit. Die zur Sicherheit angeschafften Diepholzer Gänse erhielten in
weiteren Freigehegen Gesellschaft von Bunten Bentheimer Schweinen,
Rauwolligen Pommerschen Landschafen und Thüringer Waldziegen,
Westfälischen Totleger-Hühnern, Meißner Widderkaninchen und Eseln. Es
wurde dabei bewusst darauf geachtet, dass die Tiere jeweils aus alten
Haustierrassen gewählt wurden.
Im Haus wurde ein Spitzboden als Spielwiese und Korkenbad für Regentage
und ein Gruppenraum im Souterrain als Diskoraum mit CD/MC-Anlage
hergerichtet. Neuerdings gibt es auch einen Kiosk mit Süßigkeiten und
Bio-Waren. In den Schlaftrakten wird die Luft kontrolliert über eine
moderne Lüftungsanlage mit energiesparenden Wärmetauschern ausgetauscht.
Alle diese Maßnahmen wurden von vielen freiwilligen Helfern in
gemeinsamen Arbeiteinsätzen in den Wintermonaten tatkräftig unterstützt.
Da das Heim durch die Aktivitäten des NABU und seiner ehrenamtlichen
Helfer ein neues Profil und eine grundsätzlich neue Ausrichtung erfuhr,
wurde mit Beschluss der Mitgliederversammlung im Februar 2002 die
Vereinssatzung geändert, und das Haus erhielt den treffenden Namen:
Schullandheim Dreptefarm
(Bernd Leder, Vorsitzender des "Schullandheimverein Blumenthal
e. V." von 1992 bis 2000, plus Ergänzungen)
Das Projekt Froschfarm
Neben vielen praktischen Einrichtungen für's Naturerlebnis, wie das
Stereolupen-Labor oder die Holzwerkstatt mussten auch anspruchsvolle
Sanierungen durchgeführt werden. Von der Kläranlage, die mittlerweile
vorbildliche Werte liefert, bis zur Neueindeckung des Traktes 2.
Der
bislang größte "Coup" gelang dem Vorstand im Sommer 2004 mit dem
größtenteils über Drittmittel finanzierten Kauf des 20.000m² großen
Nachbar-Wochenendgrundstücks samt 3.000m² großem See. Hier richten
engagierte Leute im NABU einen Lebensraum für Amphibien her. So erhält
die Dreptefarm neben dem attraktiven Profil der erlebbaren alten
Haustierrassen noch ein weiteres thematisches Standbein: Die Entwicklung
der Amphibien ist Thema im Sachkunde- Lehrplan der Grundschulen.
In Motorsägen- Kursen und mit viel ehrenamtlicher Hilfe wurden fast alle
fremdländischen ( und damit ökologisch wertlosen) Bäume auf der
Froschfarm gefällt. Der Fichtenwald wurde licht gestellt, damit eine
artenreiche Naturverjüngung eine Chance bekommt. In mehreren Spaten- und
Baggereinsätzen wurde der "langweilige" Fischteich mit einer
strukturreichen Flachwasserzone ausgestattet, im Frühjahr überschwemmt
die Drepte den See und ermöglicht einen Austausch der Tiere im Gewässer.
Die Froschfarm ist somit ein wertvolles Bruthabitat der Fischfauna
geworden.
Neben vielen Renovierungen wurden die Dachbereiche mit Korkengranulat gedämmt. Aus der NABU-Korkensammlung kommen jährlich gute 20m³ Flaschenkorken auf die Dreptefarm, die sortiert, geschreddert und als Isolierung mit einem K-Wert von rund 0,40 eingebracht werden. Mittlerweile ist die Wand des Traktes 1 mit einer Holzverschalung aus eigenem Holz von den Bäumen der Froschfarm verkleidet, dazwischen halten 25 cm Granulat die Bude mollig.
Zusätzlich zur 30m² großen Solaranlage für Heißwasser aus dem Jahr 2003 kamen in 2010 noch fast 200m² Photovoltaikanlage auf das Dach. Damit können in Spitzenzeiten 27.000 Watt erzeugt werden! Über 15 Tonnen CO2 bleiben so jedes Jahr dem Erdklima erspart. Ein Viertel der Anlagenkosten förderte swb-Strom pro Natur, die Dreptefarm bezieht (wenn sie denn nicht selbst produziert) den Naturwatt-Ökostrom von EWE.
Eine besonders fruchtbare Zusammenarbeit ergab sich mit der Ausbildungs- werkstatt der Elektroniker und Mechatroniker des Bremer Mercedes Werkes. In der Woche des Sommerferien- beginns kommen regelmäßig 25 Azubis und drei Meister auf die Farm. Gegen Kost und Logis lernen die "Stifte" Zusammenarbeit und übergreifendes Denken. Das Heim bekommt anspruchsvolle Bauprojekte gemacht. So gewinnen beide Seiten. Nach anfänglichen Kleinbaustellen in 2009 wurde 2010 ein über 75m² großer Grillunterstand geplant und gebaut. Nun kann jederzeit wetterunabhängig gegrillt werden, was der Küche die Arbeit enorm erleichtert.
Im Mai/Juni 2010 feierten wir unser 50. Jubiläum mit einer Esel-Tournee bis nach Bremen. Von Wulsbüttel zogen "Alfi" und "Püppi" ihre Kutsche in mehreren Etappen bis nach Arsten und warben für die Dreptefarm. Das neue Kutschgeschirr und die Renovierung der Kutsche hatte die Sparda Bank finanziert. Auf dem Kutschbock saß Sönke Hofmann samt den sich abwechselnden FÖJ'lern Malte und Tobias. Übernachtet wurde auf den Schulhöfen, geduscht in den Turnhallen und gefrühstückt im Lehrerzimmer. Als Dienstkleidung trugen wir zünftige Tropenhelme und Khakihemden, um den Naturforscher in uns herauszustellen.
In 7 Schulen machten wir "Eseldiplome" mit den Kindern, reiten und führen der geduldigen Beiden inklusive. Soviel Engagement brachte uns sogar ein Treffen mit dem Bremer BürgermeisterJens Böhrnsen vor den Bremer Stadtmusikanten am Rathaus ein. Der ließ es sich nicht nehmen, zum Hufeschütteln vorbei zu kommen, obwohl er zu dem Zeitpunkt aufgrund des Rücktritts von Bundespräsident Köhler amtierendes Staatsoberhaupt war!
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