gefährdetes Insekt des Jahres am Schullandheim entdeckt
- dutzende
Fangtrichter
- gepackte Beute wird ausgesogen
- zwei Jahre lauern, kein
Mal aufs Klo
- zehnfaches Körpergewicht weit schmeißen
- „Löwendressur“
auf Ferienfreizeit
- Restplätze für 10 Tage Abenteuer
(Bremen, den 14.7.10) Die NABU-Dreptefarm ist bekannt für ihre alten
Haustierrassen, nun beherbergt das Schullandheim in Wulsbüttel auch noch
Löwen. Allerdings sind weder die Bunten Bentheimer Säue noch die Kinder
durch die gefräßigen Jäger gefährdet. Im geschützten Trauf lauern
dutzende Ameisenlöwen am Grunde ihrer Trichter im Sand auf Beute. Zur
großen „Löwendressur“ wird es auf der NABU-Sommerfreizeit vom 25. Juli
bis 3. August kommen, für die es noch Restplätze gibt.
„Eigentlich heißt es ja im Volksmund: 'Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.' Bei den Ameisenlöwen ist das Absicht“, erklärt NABU-Geschäftsführer Sönke Hofmann. Die Larve des aktuellen „Insekt des Jahres“ baut sich Fangtrichter in deren Boden sie eingegraben auf Beute lauert. Balanciert ein Insekt über den Rand des Trichters, hilft der Jäger mit gezielten Sandkorn-Würfen sogar nach, bis er die Beute mit seiner großen Fangzange packen kann.Innerhalb einer guten Viertelstunde baut der einen guten Zentimeter lange und borstige Ameisenlöwe seine Falle. Im Kreise drehend schmeißt er mit der Fangzange, die länger als sein Kopf ist, die Sandkörner aus der Grube bis zu 30 Zentimeter weit weg. Je nach Larvenstadium des Löwen erreicht auch der Trichter einen Durchmesser bis zu Fingerlänge. Die Falle wird so steil wie möglich angelegt, damit vorbeikommende Beute sofort ins Rutschen gerät.
Hat der Ameisenlöwe eine Assel, einen Käfer oder eben eine Ameise gepackt, spritzt er ähnlich wie Spinnen ein lähmendes Gift ein, dass das Opfer im eigenen Körper verdaut. Dann saugt die Löwenlarve ihre Beute aus und schmeißt die leere Hülle mit Schwung über den Fallenrand. „Ein Ameisenlöwe kann mit seiner Fangzange sein zehnfaches Körpergewicht wegschleudern“, zeigt sich Hofmann beeindruckt.
In der Regel zwei Jahre sitzen die drei Larvenstadien des Ameisenlöwe im Trichter. Dann verpuppt sie sich in einer sandbeklebten Kugel und schlüpft als libellenähnliche Ameisenjungfer. Die Larve kann bis zu acht Monate ohne Nahrung auskommen. „Besonders interessant finde ich, dass die Larve in der ganzen Zeit nicht ein Mal auf Klo gehen muss“, schmunzelt der NABU-Mann. Dem Tier fehle schlicht ein Loch für Ausscheidungen, eine Anpassung an den Extremlebensraum.
Die Trichter findet man nur in regengeschützten, staubtrockenen Sandflächen, in feuchtem Sand funktioniere der Fangtrichter nicht. „Entweder leben die Tiere in der Natur unter schützenden Abruchkanten von Sandgruben oder eben unter dem überhängenden Dach eines Schullandheimes“, so Sönke Hofmann.
„Ich finde Insekten total spannend, es gibt bei ihnen die abgedrehtesten Strategien“, ist der gelernte Förster begeistert. Daher werde sich die Sommerfreizeit des NABU auf der Dreptefarm einen Ameisenlöwen aus der Natur „borgen“ und ein paar Tage im Terrarium „dressieren“. „Ich sehe zwar wenig Chancen für die Nummer mit dem brennenden Reifen, aber wer weiß...?“, lacht Sönke Hofmann voller Vorfreude.
Wer zwischen acht und 14 Jahre alt und von der Natur begeistert ist, kann sich für einen der Restplätze der Sommerfreizeit bewerben. Die zehn Tage Abenteuer in der Natur kosten für Mitglieder 269 Euro, sonst 309 Euro. Anmeldeformulare und Online-Tagebücher der bisherigen NABU-Freizeiten gibt es unter www.NABU-Bremen.de, weitere Infos unter 04 21 / 3 39 87 72.
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