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FroschfarmSein bislang umfangreichstes Projekt hat der Bremer Naturschutzbund NABU im Sommer 2004 gestartet. Direkt neben dem NABU-Schullandheim Dreptefarm in Wulsbüttel kauften wir ein gut 20.000 Quadratmeter großes ehemaliges Wochenendgrundstück und richten seitdem dem Froschkönig und seinem Gefolge ein neues Reich ein. Dazu sollen die Besucher des Schullandheimes zukünftig alles Wissenswerte rund um die Amphibien erfahren können.

Das Froschfarm-Gelände


Das Projekt-Grundstück ist L-förmig, rund 370 m lang und weitet sich an der breitesten Stelle von 53 m Breite auf rund 140 m. Es liegt zwischen der Straße "Paschberg" und dem Bach Drepte und umfasst 21.000 Quadratmeter Fläche.
An der Nordseite grenzt das Grundstück an extensiv genutztes Feuchtgrünland. Südöstlich des Projekt-Grundstücks, Richtung Schullandheimgelände, ist ca. 50 Jahre alter Kiefernwald mit Birken- und Eichenbeimischung im beginnenden Baumholzalter. Dem Grundstück gegenüber, auf der anderen Seite der Drepte, liegt extensiv bewirtschaftetes Feuchtgrünland eines anerkannten Biobetriebs. Am Südende schließt sich der "Küsters Bruch" an, ein unbewirtschafteter Erlenbruchwald in der Aue der Drepte. Das Grundstück gehört der Kirche, wird langfristig ungenutzt bleiben und ergänzt somit in idealer Weise das Amphibienschutzprojekt. Südlich dieses Grundstücks liegt der Natur-Badeteich des Bürgervereins Wulsbüttel, den das Heim mitnutzt.
Ursprünglich muß das Areal aus zwei verschiedenen Grundstücken entstanden sein, noch heute sind zwei Wallhecken-Linien zu erkennen. Eine weniger gut erhaltene Wallhecke bildet die Nordgrenze zum offenen Weideland. Etwa im rechten Winkel geht ab der Höhe wo sich das L-förmige Grundstück aufweitet eine deutlicher ausgeprägte Wallhecke ab. Sie verläuft in etwa parallel zur Drepte in Richtung Schullandheimgelände und bildet die Grenze zum Kiefernwald. Auf ihr stehen mehrere große, mindestens 150 bis 200jährige Eichen. Ein historischer Hohlweg, Teil des Wegenetzes Wulsbüttels nach Hagen, ist noch erkennbar. Wallhecken-typische Heckenstrukturen fehlen, da der umliegende Bestand mangels Pflege über Jahrzehnte fast alle Bäume zweiter Ordnung ausgedunkelt hat.
Der Mittelteil des Projektgrundstücks ist mit Fichten im beginnenden Baumholzalter bestockt. Die ersten Windwürfe treten auf und zeigen, dass der Boden zu feucht und flachgründig für diese naturferne Bestockung ist. Langfristig würde die Natur hier ihre eigene "Ordnung" schaffen. Nach Windwürfen kämen Borkenkäfer und die Fläche würde sich zu einem laubholzreichen Bruchwald mit vielfältiger Vegetation entwickeln. Genau dieser Entwicklung will der NABU nachhelfen und sie sanft beschleunigen. Die Fehler der Vergangenheit sollen dabei eine Chance für die Zukunft des Laubfrosches eröffnen.
Besonders im oberen Teil stehen einige "Hinterlassenschaften" des Gärtnermeisters, der den Grund in den sechziger Jahren erwarb. Rhododendren und Ziertannen, Lebensbäume, Stech- und Sitkafichten werden oft schon eindrucksvoll von der natürlichen Vegetation überwachsen.
Auf dem Grundstück ist allerdings auch ein rund 3.000 qm großer und bis zu 3,5 m tiefer See. Der See wird von oberflächennahem Grundwasser gespeist, hat ein ortstypisch leicht saures Milieu und entwässert über einen Mönch in die Drepte, die die westliche Grundstücksgrenze bildet. Der See hat einige Draht-Uferverbauungen, sie sind vermutlich die Ursache, dass trotz einiger (Besatz-)Fische, dennoch ein reichhaltiges Insekten- und Amphibienleben in den Randzonen     vorkommt, hauptsächlich Azurjungfern, Heidelibellen, Wasserfrösche und im Frühjahr Erdkröten- und Grasfrosch-Kaulquappen.
 

Maßnahmen an Laichgewässern

Zunächst wurde der See im Spätsommer 2004 abgelassen, um ihn fischfrei zu bekommen. Dabei traten Eisenbahnschwellen als massive Uferverbauungen am Entwässerungsmönch zutage. Nun soll der Teich mit einem offenen Graben an die Drepte angeschlossen werden. So können Tiere in den Teich einwandern, der nun eine „Altarm-Funktion für die Drepte einnimmt.
Auf der Nordseite des Sees sollen Flachwasserzonen gegraben und das Gewässer erweitert werden. Der Aushub wird teilweise zum Abflachen des bestehenden Nordteils des Sees verwendet. Die Flachwasserzonen liegen somit sonnenexponiert und erwärmen sich im Frühjahr recht schnell. Diese Bereiche bevorzugt der Laubfrosch zum Ablaichen.An geeigneten, sonnigen Stellen in der Nähe des Gebäudes werden weitere Flachwasserteiche angelegt, die über die Regenrinnen mit Wasser versorgt werden. Gerade hierbei sollen sich die Kinder aktiv einbringen. Langfristig wird ein regelrechtes Teichsystem von kaskadenförmig ineinander fassenden Folienteichen entstehen - der Bau und die Einrichtung der Teiche und ihre Pflege werden Generationen von Schulkindern beschäftigen.Dieser vom Artenschutzprojekt räumlich getrennte Bereich eignet sich besonders dafür, dem gestalterischen Drang der Kinder freien Lauf zu lassen. Auch nach Anlage der Folienteiche können hier mit Pflanzen, Steinen und Holz die Ufer immer weiter- und umgestaltet werden. Gleichzeitig eignen sich die Kleinteiche sehr gut für erste Kescherstunden, da sie übersichtlicher und auch nischenreicher als der See sind. Nach einigen Übungen kann dann im großen See gekeschert werden.Auf dem Gelände ist auch ein sanierungsbedürftiger, gemauerter Swimmingpool von ca. 6 x 5 Metern Größe, der lange unbenutzt war und aktuell von Grasfröschen als Laichplatz angenommen wird. Dieser Swimmingpool wird in ein begehbares Groß-Aquarium, das „Amphi(bien)-Theater“ umgewandelt. Dazu wird er an einer Seite aufgegraben und mit einer Glasscheibe versehen. Die aufgegrabene Seite wird als schräge Böschung über Einsaat und Holzverbauung gesichert, eine Treppe führt hinab zur Glasscheibe. So können die Kinder von außen in ein lebendiges Amphibien-Habitat direkt hinein blicken. 
 

Maßnahmen zur Lebensraumverbesserung

 
Der Laubfrosch ist die einzige einheimische Amphibienart, die klettern kann und die Sonne regelrecht liebt. Er sitzt gerne auf höheren Sträuchern und nimmt Sonnenbäder. Ganz besonders liebt er Brombeerbüsche. Daher soll der Baumbestand auf dem Grundstück in mehreren Schritten ausgelichtet werden. Zum einen sind die Fichten zumindest im unteren, seenahen Bereich eine klassische Fehlbestockung, da sie durch das hoch anstehende Grundwasser windwurfgefährdet sind. Durch die schrittweise Durchforstung und Auslichtung kommt mehr Sonnenlicht auf den Boden, was zusammen mit Ergänzungspflanzungen zu den vorhandenen Brombeerbeständen eine reichere und dichtere Strauchflora ergibt. Soweit möglich, werden Laubgehölze auf den Stock gesetzt, wodurch sie dichter wieder austreiben und Heckenstrukturen ergeben. Aus Teilen des Durchforstungsholzes werden Benjeshecken und Totholzhaufen angelegt, die die Heckenstrukturen ergänzen.
Entlang der nördlichen Grundstücksgrenze wird auf gesamter Länge die alte Wallhecke und dahinter ein breiter Hecken-Waldsaum mit Bäumen 2. Ordnung und einheimischen Sträuchern hergerichtet. Zur Ausbesserung des Walles wird Aushub aus der Schaffung von Flachwasserbereichen verwendet. Auch muss der Fichtenbestand innerhalb von 10 bis 15 Jahren bis auf einige solitär stehende, große Überhälter zurückgedrängt werden. Wobei wegen der Windwurfgefahr nur äußerst vorsichtig eingegriffen werden darf.
Ebenso wird die auch historisch interessante östliche Wallhecke zwischen See und Kiefernwald hergerichtet. Auf einer Art Plateau zwischen See und Wallhecke stehen hauptsächlich etwa 20jährige Kiefern, Fichten und Birken aus Naturverjüngung. Auch hier muß ein Großteil des Baumbestandes gefällt werden, damit die Wallhecke zu ihrer ursprünglichen Erscheinung und Funktion entwickelt werden kann.
In sonniger Lage, im oberen Grundstücksbereich, wird ein Lesesteinhaufen als Nischenbiotop für Amphibien und Reptilien aufgeschichtet.
Nur einzelne exotische Pflanzen im oberen, ehemals gärtnerisch genutzten Teil des Grundstücks bleiben als Gegenstück zur naturnahen Entwicklung des Projektgeländes erhalten. Dieser Garten-Bereich soll langfristig in eine Streuobstwiese mit alten, regionalen Obstsorten umgewandelt werden, dazu sollen in einem alten Schuppen Bienenvölker angesiedelt werden.
 
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